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20. Grafschafter Jägerfrühstück Jäger fordern vom Landkreis die Abschaffung der Jagdsteuer
Jagdhornklänge der Bläsergruppe Engden/Drievorden schallten durch den Saal Deters, bevor Kreisvorsitzender Klaus Stamme zahlreiche Jäger und Vertreter des öffentlichen Lebens zum Jägerfrühstück begrüßte und die besten Wünsche der Jägerschaft zum neuen Jahr übermittelte. Besonders herzlich begrüßte er als Ehrengast Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär im Landesministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung.
Das 20. Grafschafter Jägerfrühstück zum Jahresauftakt nutzte der Vorsitzende der Grafschafter Jägerschaft, Klaus Stamme, gestern erneut zu einem Appell an den Landkreis, die Jagdsteuer abzuschaffen. „Die Jagdsteuer ist nach unserer Überzeugung vollkommen unberechtigt. Die Jägerschaft ist der einzige Naturschutzverband, der für seine Tätigkeit im Interesse der Natur und der wildlebenden Tiere durch Erhebung einer Sondersteuer bestraft wird, während andere Verbände mit staatlichen Mitteln und Spenden unterstützt werden. Diese Steuer ist unberechtigt und ungerecht. Viele von Ihnen werden wissen, dass die Jagdsteuer in Nordrhein-Westfalen stufenweise abgeschafft worden ist. Ab 2013 wird dort überhaupt keine Jagdsteuer mehr erhoben. Auch einzelne Landkreise in Niedersachsen haben bereits von der Erhebung der Jagdsteuer abgesehen, weil sie eingesehen haben, dass die Erhebung ungerecht ist. Die niedersächsischen Jäger werden keine Ruhe geben, bis die Jagdsteuer auch hier flächendeckend abgeschafft ist." Die Entwicklung der Grafschafter Wildbestände : Das Rotwild habe sich stark vermehrt. Beim Schwarzwild scheine eine Entspannung eingetreten zu sein.Die Entwicklung der Nutriastrecke im Bereich der Jägerschaft Lingen, also nur des Altkreises Lingen von im Jagdjahr 2006/2007 677 Nutria, im Jahr 2007/2008 1.151 und Jahr 2008/2009 1.343 erlegt, also eine Verdoppelung innerhalb von zwei Jahren. Eine ähnliche Entwicklung scheine sich auch in der Grafschaft abzuzeichnen Erster Kreisrat Hans-Werner Schwarz blickte in seinem Grußwort zurück auf die Tradition des Jägerfrühstücks und dessen Bedeutung. Dann ging er auf aktuelle Themen ein und kündigte an, dass der Kreistag auf der Sitzung am 11. Februar eine Änderung der Schonzeiten für Rabenkrähen beraten werde. Jagdbeirat und Kreisausschuss hätten sich bereits für ein Änderung ausgesprochen. In den vergangenen Monaten seien etwa 50 durch Rabenkrähen verursachte Schadensfälle gemeldet worden. Bei den Streckenergebnissen sei entsprechend dem Trend in Niedersachsen eine hohe Steigerung zu verzeichnen: Jagdjahr 2003/2004 2100 Abschüsse, Jagdjahr 2008/2009 3300 Abschüsse entspräche einer Steigerung von gut 57%. Eine besondere Aufmerksamkeit beanspruche die Änderung des Waffengesetzes. Im Zuständigkeitsbereich des Landkreises seien 188 Kurz- und Langwaffen fristgemäß abgegeben worden, von denen nur 8 Waffen illegalen Ursprungs waren. Der schriftlichen Aufforderung von Kreis und Stadt zwecks Nachweis der sicheren Aufbewahrung von Waffen folgten von 2200 Jäger fristgerecht 87,5%. Er versicherte, dass eventuelle Kontrollgänge auf das erforderliche Mindestmaß reduziert und mit Fingerspitzengefühl durchgeführt würden. Er beschloss seine Ausführungen mit Zahlen zur Statistik der 2009 ausgestellten Jagdscheine in Höhe von 1939 und der Jägerprüfung 2009 mit 46 Teilnehmern, von denen 38 bestanden.
Kritisch bewertete der Vizepräsident der niedersächsischen Landesjägerschaft, Josef Schröer, das Ausscheiden des bayerischen Jagdverbandes aus dem Bundesverband. Dieser Schritt schmälere das Ansehen und den Einfluss aller Jäger Deutschlands. Es gelte neuen Konfliktfeldern wie einer Verhinderung der Zersplitterung des Jagdrechtes oder dem Koalitionsvertrag der Jamaika-Koalition im Saarland entschlossen entgegen zu wirken. Auf Bundesebene seien alle getreu dem Motto: "Seid einig!" gefordert. Im nächsten Punkt ging er auf die Entwicklung der Schwarzwildbestände ein und betonte, dass alle betroffenen Gruppen gemeinsam Wege zur Reduzierung der Bestände auf ein angepasstes Maß finden müssten. 2010 sei das Internationale Jahr der biologischen Vielfalt. Als seine Priorität sah er dabei die Umsetzung der Erkenntnisse aus der Prädationsstudie an unseren Niederwildarten in ein wissenschaftliches Projekt.
Nach Einschätzung von Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär im Landesministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, hat der Stellenwert der Jagd in der Gesellschaft in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Auch für die Waldbestände sei es wichtig, den Wildbestand zu hegen und zu pflegen. Die Auswirkungen der Krise hätten sich auch in seinem Arbeitsbereich - der Landwirtschaft - bemerkbar gemacht: Um die Landwirtschaft schnell und wirksam zu entlasten, hätten die Agrarminister der deutschen Bundesländer im Mai letzten Jahres ein Paket von Liquiditäts- und Einkommenshilfen geschnürt: Die niedersächsische Landwirtschaft könne aus diesen Zusagen in den nächsten Jahren mit rund 190 Mio. Euro rechnen. Das sei eine erhebliche Entlastung, Unterstützung und Ermutigung für die landwirtschaftlichen Betriebe, ein Zeichen, dass die Landwirtschaft in harten Zeiten nicht alleine stehe. Für ihn ständen dabei fünf Themen im Mittelpunkt: 1. Fortsetzung des Konjunkturprogramm II 2. Steuerentlastungen 3. Konsolidierung der öffentlichen Haushalte 4. die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen. Es gehe um die richtige Balance zwischen Freiheit einerseits, Sicherheit andererseits. Wir müssen nicht weniger, sondern mehr Soziale Marktwirtschaft wagen. 5. Worte zur Agrarpolitik Soforthilfen schafften keine Rentabilität, keine Wirtschaftlichkeit. Allein die Wirtschaftlichkeit der Betriebe entscheide darüber, ob sie Zukunft habe. Man habe immer auf eine unternehmerische Landwirtschaft gesetzt, die sich aus eigener Kraft am Markt behaupte Der Umbruch, wie man ihn derzeit erlebe, sei auch eine Chance. Deutschland habe Erfahrungen darin, solche Chancen zu nutzen. Es ließen sich schon heute Trends und Entwicklungen erkennen, die voraussichtlich auch in 10, 20 Jahren noch unser Leben bestimmen werden. Für die niedersächsische Landwirtschaft hieße dies: Man werde Nahrungsmittel produzieren - eher mehr als heute. Man werde aber auch nachwachsende Energieträger anbauen: Stärketräger für die Bioethanolproduktion, Ölpflanzen für Biodiesel, Mais für die Biogasanlagen. Man werde diese Lebensmittel und Rohstoffe auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche erzeugen, die nicht größer werde. Und man werde dabei Klima und Natur schützen. Niedersachsen setze den Schwerpunkt auf Biogas, denn das schneide in allen Untersuchungen als besonders effizient ab. Durch ein Hinauszögern von Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen werde ein wirkungsvolles Handeln deutlich teurer und unkalkulierbar. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU müsse so angepasst werden, dass die Chancen, die die Zukunft biete, genutzt werden könnten. Aus seiner Sicht müsse die Europäische Agrarpolitik eine „Gemeinsame" bleiben. Zum Schluss der Veranstaltung ertönten die Klänge der Jagdhörner und nach dem Signal zum Essen erfreuten sich die Gäste an einem köstlichen Wildessen. Im Anschluss nutzen die Gäste die Möglichkeit zu Gesprächen.
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